Fußball, Erwartungen und die Kunst des stillen Verlierens

... im März 2026 ...

Zurück in Auckland stand das nächste Länderspiel auf dem Programm. Diesmal Fußball. Und diesmal immerhin die Männer, was in der Logik internationaler Sporttouren automatisch eine gewisse Steigerung der Dramatik erwarten lässt. Die All Whites spielten gegen Finnland.

Schon beim Betreten des Stadions fiel allerdings auf, dass sich hier keine dramatische Eskalation anbahnte. Das Stadion war bei diesem WM-Vorbereitungsspiel etwa halb leer – ein Zustand, der in Europa entweder als „Skandal“ oder als „Übergang zu einer Trainerdiskussion“ interpretiert worden wäre. In Neuseeland war es einfach ein Freitag mit Sport.

Fangesänge gab es nicht. Fahnen ebenfalls kaum. Und die allgemeine Geräuschkulisse bewegte sich in einem Bereich, der irgendwo zwischen Bibliothek und Wartezimmer lag, allerdings ohne die typische Nervosität eines Wartezimmers. Man hatte den Eindruck, dass alle Beteiligten sich bereits vor Spielbeginn darauf geeinigt hatten, das Ergebnis später höflich zur Kenntnis zu nehmen.

Für uns Frankfurter hatte das Ganze dennoch einen zentralen emotionalen Ankerpunkt: Lukas Hradecky.

Der Mann, der 2018 im Pokalfinale gegen Bayern München nicht nur Bälle hielt, sondern auch den Eindruck vermittelte, dass Physik in solchen Spielen nur eine Empfehlung ist. Ein Teil unserer sportlichen Erinnerungskultur war also vor Ort. Allerdings saß er auf der Ersatzbank.

Und wir stellten fest, dass auch große Pokalhelden nicht davor geschützt sind, irgendwann in einer Sportsendung der Kategorie „Mitgereist, aber nicht eingesetzt“ aufzutauchen.

Außerdem wirkte er – sagen wir vorsichtig – nicht mehr ganz in jener explosiven Leichtfüßigkeit vergangener Jahre. Eher wie ein Mensch, der inzwischen weiß, dass man Karrieren nicht nur auf Höhepunkten misst, sondern auch auf Auswärtsreisen nach Neuseeland.

Das Spiel selbst war entsprechend wenig historisch. Finnland gewann 2:0. Ohne Drama. Ohne Wendung. Ohne den Eindruck, dass irgendjemand ernsthaft vorhatte, den Ausgang im Nachhinein zu diskutieren.

Die neuseeländischen Zuschauer nahmen das Ergebnis zur Kenntnis, standen auf und gingen nach Hause.

Das war vielleicht der irritierendste Moment der gesamten Reise. Kein Pfeifkonzert. Keine Diskussionen über Taktik. Keine spontanen Forderungen nach grundlegender Reform des nationalen Fußballs.

Einfach: Spiel vorbei, Abend erledigt.

Aber ganz Neu Seeland freut sich auf die kommende Fussballweltmeisterschaft, wo natürlich deutlich mehr passieren wird – so zumindest die Zuschauerwünsche.

 

Wir waren kurz verunsichert, ob wir etwas übersehen hatten – vielleicht eine versteckte Emotionsebene, die sich nur Einheimischen erschließt. Aber nein: es war offenbar genau so gemeint.

Diese bemerkenswerte Ruhe im Stadion blieb im Gedächtnis hängen.

Und diese Ruhe erzeugte fast automatisch die Erwartung, dass nun beim Nationalsport alles anders sein müsste.

Rugby, dachten wir, würde das emotionale Gegenteil sein.

  • Ein brodelndes Stadion.
  • Ein kontrolliertes Chaos.
  • Ein nationales Beben.

Wir sollten uns bald wieder auf den Weg zum Eden Park machen.

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