Stilfser Joch in Bonames

... im Januar 2026 ...

Man fragt sich zunächst, was das Stilfser Joch mit Bonames zu tun hat.

Eine berechtigte Frage, denn auf den ersten Blick verbindet die beiden ungefähr so viel wie Hochgebirge und Gartenzaun. Und doch: Es sind die Serpentinen.

Immer sind es die Serpentinen.

Der Weg beginnt unten, im Totholz eines Nidda-Altarms, wo man sich unvermittelt im Paradies wähnt. Ein Paradies für Insekten, wohlgemerkt – der Mensch ist hier nur geduldet. Mit etwas Glück sieht man den Eisvogel, farbenfroh, pfeilschnell und eindeutig der Meinung, dass Höhenmeter überschätzt werden.

Dann geht es hinauf.

Und dann zeigt sich sehr schnell, nach der Brücke, die ganze Dramatik des Vergleichs:

Den 30 Höhenmetern von Bonames hat das Stilfser Joch eigentlich nichts entgegenzusetzen – außer vielleicht seinen läppischen 1830 Höhenmetern auf 24 Kilometern. Das Joch müht sich redlich, nummeriert seine 48 Spitzkehren, dokumentiert jeden Meter, während Bonames mit fünf bis sechs Serpentinen auskommt und dennoch den Eindruck erweckt, man habe etwas geleistet.

In der Höhe bleibt Bonames mit knapp 67,5 Metern deutlich hinter den 2757 Metern des Stilfser Jochs zurück. Dafür punktet es in der Länge: 300 Meter statt 25 Kilometer. Effizienz ist schließlich auch eine Tugend.

Doch all das verblasst angesichts des eigentlichen Gipfels.

Denn oben, am höchsten Punkt Bonames’, findet man etwas, das es am Stilfser Joch nicht gibt: eine Katzenklappe mit Schloss.

Wozu?

Ursprünglich wurde die Katzenklappe erfunden, um der Katze Freiheit zu schenken. Ein nobles Ziel. Leider hatte niemand die anderen Katzen eingeplant. Diese nutzten die Erfindung als offene Einladung, betraten das Haus mit der Selbstverständlichkeit von Schwiegermüttern und fraßen zuerst. Dann markierten sie. Dann blieben sie. Spätestens an diesem Punkt dachte der Mensch, dass Freiheit ohne Kontrolle nur ein anderes Wort für Chaos ist, und erfand das Schloss.

Das Schloss an der Katzenklappe erfüllt seither mehrere Aufgaben. Erstens dient es der Erziehung des Besitzers, der nun glaubt, Herr der Lage zu sein. Zweitens beruhigt es das Gewissen: Man kann die Katze nachts einsperren, angeblich zu ihrem Schutz, tatsächlich aber, weil man schlafen möchte. Drittens vermittelt es ein trügerisches Gefühl von Sicherheit – denn nichts schreckt Einbrecher so sehr ab wie die Aussicht, sich durch eine 18 Zentimeter breite Öffnung zwängen zu müssen, die zudem abgeschlossen ist.

Schließlich ist da noch der klimatische Aspekt. Die Katze liebt die Natur, der Mensch liebt die Heizkostenabrechnung. Das Schloss an der Katzenklappe ist der diplomatische Kompromiss in einem jahrtausendealten Konflikt. Es sagt: Du darfst frei sein – aber bitte nur zwischen 7:30 und 19 Uhr und nicht bei Regen.

So ist die abschließbare Katzenklappe kein technisches Zubehör, sondern ein philosophisches Statement:

Der Mensch glaubt, er kontrolliere die Katze.

Die Katze weiß es besser. 🐈‍⬛

All das, wohlgemerkt, wird in Bonames an einem Gartenzaun ausgiebig getestet. Nicht an einem Hochsicherheitsgebäude. Nicht an einer Berghütte. An einem Gartenzaun – wir werden das weiter verfolgen.

Hebt man nun den Kopf, sieht man plötzlich den eigentlichen Gipfel von Bonames: den Steffi-Jones-Gipfel. Offiziell heißen die Gebäude dort Steffi-Jones-Schule, aber seien wir ehrlich – diese außergewöhnliche Fußballerin hätte einen Gipfel verdient. Vielleicht kommt das ja noch. Schilder lassen sich austauschen, Legenden bleiben.

Und damit ist alles gesagt.

Denn wer einen Steffi-Jones-Gipfel hat, braucht kein Stilfser Joch.

Keinen Aufwand.

Keine 48 Kehren.

Nicht einmal nummerierte.

Und so ist es gut für den Bonameser, der stur wie nur ein Frankfurter stur sein kann – allerdings mit der zusätzlichen Überzeugung, dass seine Sturheit historisch gewachsen und daher vollkommen gerechtfertigt ist. Jahrzehntelange Kooperation mit den Amerikanern haben ihn gelehrt, dass man alles regeln kann, solange man es konsequent ignoriert und dabei freundlich nickt.

Gleichzeitig lebt er mit dem Bonameser Flughafen, diesem wunderbaren Ausflugsziel, in einer stillen, aber erbitterten Konkurrenz zum Frankfurter Flughafen. Während dort täglich Flugzeuge starten, ist der Bonameser überzeugt, dass sein Stadtteil im Grunde ebenfalls international ist – nur ohne Gepäckabfertigung und mit besserem Äppler.

Der Bonameser weiß: Er wohnt nicht nördlich von Frankfurt, sondern strategisch klug außerhalb des Zumutbaren. Veränderungen betrachtet er mit Skepsis, Fortschritt mit Misstrauen und Serpentinen mit Stolz. Und wenn man ihn fragt, warum hier alles ein bisschen anders ist, sagt er nur:

„Des is halt Bonames.“

… und das dortige Stilfzer Joch findet Ihr hier: 50,18065° N, 8,67117° O

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