Barafu Camp - Uhuru Peak

... 16. Januar 2022 ...

Die fünfte Etappe beginnt und führt zum Gipfel, Uhuru Peak mit 5.896m.

Dazwischen liegt alles.

Um kurz vor 23 Uhr das Wecken. Die Nacht ist da, sofort, dicht, kalt. Ich gehe nicht allein. In der langsameren Gruppe sind wir zu viert.

Das wird gut werden.

Der Weg ist steinig, dunkel, unerbittlich. Sechs Stunden lang geht es steil bergauf.

Man sieht nichts als die Stiefel des Vordermanns, Schritt für Schritt, immer gleich. Irgendwann verliert die Zeit ihre Ordnung.

Das Gehen wird gleichförmig, beinahe tranceartig. Wenn wir die Reihenfolge wechseln, wechseln nur die Schuhe vor den Augen.

Mehr verändert sich nicht.

Gegen fünf Uhr, vielleicht etwas früher, hören wir Stimmen hinter uns. Vertraut.

Die schnellere, später gestartete Gruppe holt uns ein. Und dann, mit einem Blick nach vorne, wird der Grat sichtbar. Kraterrand, Gipfelgrat.

Vielleicht noch hundert Meter. In diesem Moment wird klar: Jetzt hält mich nichts mehr auf.

Noch heute, beim Schreiben dieser Sätze, reagiert der Körper. Gänsehaut. Feuchte Augen. Der Traum wird wirklich.

Der Sonnenaufgang auf dem höchsten Berg Afrikas, mit Blick auf die Wiege der Menschheit.

Wir erreichen den Kraterrand am Stella Point. Der Berg gilt damit als bestiegen.

Es wird umarmt, gelacht, geweint. Glückstränen. Jeder jeden, irgendwann.

Der Moment bleibt. Aber der höchste Punkt fehlt noch.

Am Kraterrand geht es weiter, eine knappe Stunde bis zum Uhuru Peak. Nach all dem fühlt es sich fast an wie eine leichte Wanderung.

Wir gehen vorbei am Furtwängler Gletscher, bis zum Uhuru Peak, mit seinem berühmten Holzkreuz.

 

Der höchste Punkt Afrikas.

Glück, das sich nicht erklären lässt. Ausblicke, die sich jeder Beschreibung entziehen.

Es entstehen Gipfelbilder. Meines eher zufällig.

Das Gruppenfoto verpasse ich, jemand fragt, ob er ein Foto machen soll.

Er macht es.

Es bleibt das einzige Bild von mir an diesem Ort.

Dort oben liegt nun auch die Muschel von Kiki und mir. Unser Zeichen.

Sie hat jetzt den besten Platz, um den Auf- und Untergängen der Sonne über die Steppen Afrikas zuzusehen.

Vielleicht findet sie eines Tages jemand von euch.

Weihnachtsgrüße werden aufgenommen. Es ist schwierig in dieser Höhe.

Dann, ein weiterer, beinahe absurder Moment: das Bügeleisen.

Die europäische Erstbebügelung des Kilimanjaro.

Gerüchteweise sollen es auch Südafrikaner geschafft haben, aber Beweise gibt es keine.

Nach etwa neunzig Minuten beginnt der Abstieg. Der Berg lässt uns gehen.

Wir geraten in starken Regen. Irgendwann gibt selbst das Regencape auf.

Alles ist nass. Hinter uns thront der Kilimanjaro, neu verschneit, ruhig.

Am Abend wartet noch eine Überraschung.

Eine Gipfeltorte.

Feuerwerk.

Ein letztes Zeichen dafür, dass dieser Weg nicht nur gegangen, sondern getragen wurde.

Und dann ist es still.

Vorherige Etappe         Übersicht           Nächste Etappe

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner