Nebelwanderung im Taunus
... im November 2025 ...Die Herbstwanderung, bei der der Taunus beschloss, uns nicht zu zeigen, wo wir waren
„Es gibt Menschen, für die ist der Sommer die einzig wahre Jahreszeit: Temperaturen über 30 Grad, Freibad, kurze Hose, Urlaub – das alles macht ihnen Freude. Andere schwören auf den Winter: Schneelandschaften, Skiurlaub, heißer Apfelwein, gemütliche Abende am Karmin. Aber jetzt ist Herbst. Während es den einen zu kalt ist, fehlt den anderen der Schnee. Wer sich aber arrangieren kann und das aktuelle Wetter beispielsweise für einen Spaziergang in der Natur nutzt, dürfte… auf seine Kosten kommen. Getreu des irischen Sprichwortes „Mögest du hundert Frühlinge erleben, aber nur einen Herbst“ Quelle: Frankfurter Rundschau, Stadtausgabe vom 08.11.2025, Seite 34
Das Abenteuer beginnt
Also wird eine Herbstwanderung mit Bernd im Taunus geplant. Was stattfand, war eine Begegnung mit dem herbstlichen Nebel – jenem meteorologischen Wesen, das nichts lieber tut, als Menschen mit Wanderkarten zu demütigen. Der Taunus hatte sich an diesem Tag in Watte gepackt, als wolle er inkognito bleiben, und wir respektierten das, indem wir ihn trotzdem betraten.
Wir laufen los …
Der Tag war gespenstisch, mystisch und von jener Sorte, bei der man instinktiv leiser spricht, obwohl man allein ist. Der Start erfolgte in Königstein, einem Ort, der an diesem Morgen aussah, als habe er sich selbst vergessen. Zwei unerschrockene Wanderer – also wir – lösten sich kurz nach dem Aufbruch beinahe selbst im Nebel auf.
Man sah uns nicht, hörte uns kaum, aber wir entdeckten Dinge. Welche genau, lässt sich im Nachhinein nicht mehr zweifelsfrei sagen. Es könnten Bäume gewesen sein. Oder Gedanken.
Falsch abgebogen ?
Wir wären beinahe falsch abgebogen, was im Nebel keine Leistung, sondern Pflicht ist. Zwei Stunden zu früh standen wir plötzlich kurz vor dem Ziel, was uns stutzig machte. Niemand erreicht bei einer Herbstwanderung im Taunus sein Ziel zu früh. Also gingen wir doch noch links herum, einmal rund um Falkenstein, aus Prinzip.
Burg Falkenstein
Irgendwann tauchte die Burgruine Falkenstein aus dem Nebel auf, was sie historisch gewohnt ist. Sie wurde im 14. Jahrhundert von den Herren von Bolanden-Falkenstein erbaut – einer Familie, die offenbar großen Wert darauf legte, Burgen zu besitzen und sie zügig weiterzugeben. In rascher Erbfolge ging die Burg an Grafen, Herren, Lehnsmannen und andere Menschen mit Zeit und Titeln. Jeder durfte kurz schauen, dann musste er weiter. Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte die Burg genug davon und begann konsequent zu verfallen.
Bis etwa 1780 wohnten noch Menschen dort bis dann in den 1980er Jahren eine kleine Gruppe Steinböcke vom Opel-Zoo das Areal bevölkern durfte. Man muss sich das vorstellen: Jahrhunderte der Feudalherrschaft enden in artgerechter Tierhaltung.
Auch der Dichter Stefan George verewigte die Burg, was beweist, dass selbst dichter Nebel literarisch wertvoll sein kann: „„Zur bewaldeten kuppe / stieg ich an neben dir / Wo auf rauh-gradem eckturm / sich der rundturm erhebt“. Eigentlich schade, dass es 1928 noch keinen Literaturnobelpreis gab.
Rund um das Reichsbachtal
Es folgte ein großer Kreis um das Reichbachtal. Wir fanden Wege, die es laut Karte nicht gibt. Die Karte schwieg dazu. Zwischen Romberg (541 m) und Speckkopf (526 m) tauchten wir wieder in Falkenstein auf, als hätten wir dort etwas vergessen – hatten wir aber nicht.
Dann scharf rechts zurück Richtung Königstein.
Mein persönlicher Weg endete am Schwimmbad, gepiesackt von sogenannten „Laufschmerzen“, die auftreten, wenn der Körper beschließt, dass Wandern nun wirklich genug sei. Von dort wurde ich von Bernd errettet, was jede gute Geschichte braucht: einen dramatischen Abgang.
Fazit
Am Ende standen knapp über 16 Kilometer, bei einer durchschnittlichen Sicht von 75,5 Metern. Erstaunlich viel, wenn man bedenkt, dass wir die meiste Zeit nicht wussten, wo wir waren – nur, dass wir dort hingehörten.


Wow – tolle Fotos
Eine beeindruckende Wanderung trotz Nebel mit sehr stimmungsvollen Fotos!
Wow, echt geil! Kalles Du bist der Hammer!