Expedition Odenwald

... Eine Forschungsexpedition ... im Januar 2025 ...

Expedition Odenwald – eine Forschungsexpedition zweier Hügelhelden

Es sollte eine harmlose Wanderung werden. Der Spessartbub Karlheinz und der Frankfurter Bub Kalles – zwei Männer, deren Orientierungssinn schon in vertrauten Supermärkten scheitert – beschlossen, unbekanntes Gelände zu erforschen: den Odenwald.

Jenen Wald, der laut seriöser und unseriöser Quellen seinen Namen von Odin, dem Gott des Donners, erhielt. Ein Mythos, der alles erklärt: das Wetter, die Wege und vor allem die Bewohner, die noch heute gerne lautstark auftreten.

Das Abenteuer beginnt

Kein Wunder also, dass aus dem stolzen Volk der Odenwälder gefeierte Athleten hervorgehen – Seppl Rode und Sebastian Vettel zum Beispiel. Wir kommen darauf zurück, versprochen. In diesem Wald hängen eben alle Geschichten irgendwie zusammen, meistens an bemoosten Bäumen und Steinen.

Wir laufen los …

Um 9 Uhr morgens, bei frostigen 5 Grad und einer Wolkendecke, die aussah wie frisch gewaschene Strümpfe, starteten wir in Auerbach. Vom hochmodernen Parkplatz „Auerbach City“ (drei Parkplätze, ein Mülleimer) folgten wir dem Wanderweg Camino Incluso in den Staatspark Fürstenlager.

Ein Rundweg -> das Friedensmal

Der Weg führte uns hinauf zu einer uns zuvor völlig unbekannten Kultstätte. Dort standen große Hinkelteine, religiöse Inschriften und Rundwege, die schon beim ersten Anblick nach „archäologisch bedeutsam“ rochen.

Vermutlich haben hier die Vorfahren von Sebastian Vettel ihre ersten Runden gedreht. Endlich verstand ich, wie der Odenwald direkt in die Formel 1 hineinführt: vom Odenwaldgestein zum Weltmeistertitel – eine Linie, so logisch wie das Wetter dort oben: chaotisch halt.

Verwechslungspfadkunde für Fortgeschrittene – im Felsenmeer

Der Camino Incluso brachte uns weiter bis nach Reichenbach, wo wir mit geübter Fehlentscheidung auf den Nibelungensteig wechselten – einen Weg, der selbst erfahrene Helden in den Untergang geführt hätte. Trotz Wegweisern, die mehr verwirrten als leiteten, fanden wir tatsächlich den Einstieg ins legendäre Felsenmeer.

Das Felsenmeer besteht aus gigantischen, moosbedeckten Granitblöcken, die aussehen, als hätte ein betrunkener Riese beim Aufräumen aufgegeben. Hier machten wir eine kurze Pause – was im Odenwald bedeutet: eine Minute stehen, drei Minuten rutschen.

Danach nahmen wir den Nibelungensteig hinauf zum Felsberg – von 202 Metern Ausgangshöhe auf 514 Meter – begleitet von Treppen, die von jemandem gebaut wurden, der Wanderer prinzipiell nicht mag.

Die runden Steine dort erinnerten uns auffällig an Bälle. Das ließ nur einen Schluss zu: …

Hier spielten einst die Vorfahren von Seppl Rode Fußball. Und es war also das Bergvolk der Odenwälder und nicht die Engländer, die diesen Sport erfanden.

Die Behauptung, England sei das Mutterland des Fußballs, muss dringend ins Reich der Mythen verschoben werden – gleich neben dem Osterhasen und funktionierenden Bahnfahrplänen.

Zwischen Türmen, Tälern und Höhenkämmen

Am Felsberg setzten wir unseren Weg auf dem Nibelungensteig fort, vorbei am Ohlyturm Richtung Melibokus. Dieser Berg wird wegen seiner ständigen Präsenz am Rheingraben oft als höchster im Odenwald gehandelt – was den tatsächlichen höchsten Berg, den Katzenbuckel (626 m), wahrscheinlich in tiefe Existenzkrisen stürzt.

 

Gegen Mittag erreichten wir eine Lichtung mit hervorragender Aussicht. Nach rund 13 Kilometern legten wir unsere wohlverdiente Mittagspause ein, der Odenwald breitete sich in all seiner herbstlichen Großzügigkeit im Winter vor uns aus.

Gestärkt erreichten wir schließlich den Gipfel des Melibokus mit seinen ehrwürdigen 517 Metern Höhe. Wir blickten Richtung Nord-Nord-West-Ost und erkannten sogar den Taunus samt Feldberg, den wir bereits in einem früheren Kampf – pardon, Wanderung – besiegt hatten.

Der Abstieg und das Schlusskapitel

Nach kurzer Gipfelpause machten wir uns an den Abstieg nach Auerbach. Der Weg führte uns über rund 6 Kilometer zum nächsten Höhepunkt: Schloss Auerbach, eine Burgruine aus dem 13. Jahrhundert, errichtet zur Sicherung des Wegezolls entlang der Bergstraße.

Ein historischer Ort, an dem man sich gut vorstellen kann, wie früher Geld eingetrieben wurde. Und wie heute noch Parkgebühren.

Schließlich erreichten wir wieder Auerbach – erschöpft, glücklich und leicht verwundert über unsere eigene Zähigkeit. Unsere Rundwanderung endete selbstverständlich dort, wo jede Expedition hingehört: in der Stadtschänke, hier heisst sie „alte Dorfmühle“ wo man die Erlebnisse in Flüssigform nachbereiten kann.

Fazit

Diese Route bot uns eine gelungene Mischung aus Natur, Geschichte, Höhenmetern – und Erkenntnissen darüber, dass die Odenwäldner nicht nur Sportgeschichte geschrieben haben, sondern offenbar auch die Weltordnung erfunden haben. Zumindest ihre eigene.

05:40 Std., 23 km, 810 hm

… und vielen Dank an den Spessart-Bub für die Planung des Weges und den Transport !

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