MTB nach Bundenbach

... ein Drama in 5 Akten ... im August 2025 ...

Ein Drama in fünf Akten – Der Besuch bei Susanne

Seit Jahren hatte ich es vorgehabt. Jahrelang! Und jedes Mal kam etwas dazwischen: Regen, Termine, Rücken oder einfach der innere Schweinehund in Wanderschuhen. Doch diesmal sollte es geschehen – der legendäre Besuch bei Susanne.

Mit dabei: Bernd, einer meiner treuer Mitstreiter. Leider ohne Ralf, der zwar fest zum Ensemble gehört, aber diesmal aus mysteriösen Gründen „nicht konnte“ – was in unserer Altersklasse alles heißen kann zwischen „Rücken“ und „Enkelgeburtstag“.

 Ich ahnte bereits: Es wird ein Drama in fünf Akten werden.

Und ich sollte recht behalten.

1.Akt: Der Aufbruch ins Ungewisse

Morgens, 10 Grad, gefühlt sibirisch. Ich besteige mein Fahrrad mit der Entschlossenheit eines Polarforschers und rolle den Main entlang in Richtung Bahnhof Niederrad.

Die Skyline glänzt in der Morgensonne – Frankfurt im goldenen Licht, als wollte sie mir sagen: „Fahr ruhig, ich bleib hier, warm und trocken.“

15 Kilometer später bin ich da. Das Thermometer zeigt 10 Grad, mein Gesicht -2.

2. Akt – Der ÖPNV schlägt zurück

Am Bahnhof wartet Bernd. Strahlend, voller Tatendrang. Und dann – oh Wunder der Moderne – ein funktionierender Fahrstuhl!

Wir jubeln. Kurz.

Denn wir lernen: Fahrräder sind länger als Rollstühle. Viel länger. Der Aufzug schließt sich demonstrativ nicht.

Also tragen wir die Drahtesel heldenhaft die Treppen hinauf – eine sportliche Einlage, die vermutlich im Guinness-Buch unter „Naiver Optimismus“ verzeichnet wird.

Dann der Regionalexpress Nummer 3 nach Bad Sobernheim. Der Name klingt nach Abenteuer – und Bremsproblemen.

3. Akt – Im Herzen des Hunsrücks

Wir steigen aus. Los geht’s.

Die ersten Meter: Wiesen. Keine Wege. Aber wer braucht Wege, wenn er Gras hat?

Dann folgen Waldpfade – immer enger, immer steiler. Irgendwann fahren wir auf etwas, das laut Karte ein Weg ist, laut Realität aber eine geologische Störung.

Der Höhepunkt: das „Backhaus“. Wir erreichen es erschöpft, aber glücklich – und finden dort eine mysteriöse „Schorscherei“.

Wir wissen nicht, was das ist, vielleicht ein lokaler Schatz. Vielleicht ein Vogel. Vielleicht ein Schreibfehler.

Dann weiter: durch Tunnel, über Brücken, die so schmal sind, dass selbst Eichhörnchen zögern würden.

Bundenbach ist auf keinem Schild zu finden. Aber wie durch göttliche Fügung erreichen wir es doch – nach exakt 32 Kilometern und mit überraschend heiler Moral.

4. Akt – Die Audienz bei Susanne

Susanne! – Herzlich, unerschütterlich und wie immer leicht amüsiert über unsere Expedition.

Ralf fehlt, das bedauern wir, aber nicht genug, um nicht trotzdem alkoholfreies Weizen und Hunsrücker Schwenker made by Kalli zu vertilgen.

Dann Erinnerungen an die alten DeTeSystem-Zeiten – Anekdoten, die eigentlich niemand mehr verstehen dürfte, aber uns in schallendes Gelächter treiben.

Susanne behauptet wie immer, sie hätte mich nie eingestellt, nur wegen des völlig ignorant vorgetragenen Kaffeewunsches. Zum Glück war damals Rudi da – sonst säße ich heute vielleicht bei einem Beamtenchor in Bonn.

Wir stoßen an auf alte Kollegen, auf jene, die noch da sind, und jene, die jetzt vermutlich mit Petrus über Netzwerkschnittstellen diskutieren.

Alte Dokumente werden hervorgekramt, Geschichten erzählt, Lücken im Gedächtnis liebevoll ignoriert.

Ein Nachmittag wie ein guter Schwenker: würzig, warm und leicht verkohlt am Rand.

5. Akt – Die Rückkehr der Helden

Zurück geht’s nach Kirn, 13 Kilometer bergab – die erste angenehme Überraschung des Tages.

Und siehe da: ein Aufzug, in den Fahrräder tatsächlich hineinpassen!

Ich bin gerührt. Fast hätte ich vor lauter Euphorie meinen Rucksack vergessen – was allerdings kein Einzelfall wäre. Ich habe inzwischen mehr Wiedersehen mit Rucksäcken erlebt als mit alten Schulfreunden.

In Niederrad dann die bekannte Pointe: Die Fahrräder passen immer noch nicht in den Aufzug.

Aber diesmal Treppe runter.

 

Doch der Main ruft, und wir fliegen – very speedy – 15 Kilometer zurück nach Offenbach.

Slalom durch Spaziergänger, Kinderwagen und Hunde – ein Tanz auf zwei Rädern.

Am Bembelboot dann das Abschiedsfoto: müde, glücklich, und ein bisschen stolz, dass wir weder gestürzt sind noch verhaftet wurden.

Der Rest der Fahrt? Routine.

Aber in Wahrheit – ein kleines Stück Abenteuer, das in unseren Kalendern zwischen Alltag und Heldentum steht.

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