1.FC Köln - Eintracht

22.11.2025

Auswärtsspiel in Köln – oder: Wie man freiwillig ins Gefrierfach geht

Warum tut man das eigentlich? Man fragt sich das jedes Mal. Wahrscheinlich, weil man eine Mischung aus Masochismus und Fußballliebe in sich trägt. Die letzten siebzehn Mal in Köln – einmal gewonnen. Ich selbst? Ich habe bisher nur Niederlagen gesehen. Heute Minusgrade angekündigt. Stadionkälte inklusive. Trotzdem zieht man los, als wäre man auf dem Weg zum Sonntagsbraten.

An der Bushaltestelle Miquelallee wird Tim eingesammelt. Er steigt ein, zum Glück ohne der Kaffee in der Hand – die kleine Pfütze auf dem Sitz bleibt uns damit erspart. Das Auto rollt, zwei Stunden Richtung Köln, inklusive sanftem Rütteln, ohne Stau und dem üblichen „Sind wir bald da?“.

Wir wollten trickreich parken, möglichst nah an der Straßenbahn, Richtung Innenstadt – Treffpunkt: EFC „Adler in Europa“, Björn und Karo. Hat geklappt.

Treffpunkt Bierhaus Salzgasse. Doch Tim hat andere Prioritäten: Döner. Natürlich. Björn und Karo erscheinen pünktlich, beobachten unser Dönerdrama. Erste Prognosen und Befürchtungen zum Spiel werden ausgetauscht. Danach stolpern wir die letzten 200 Meter zum EFC-Treff. Es ist ein nettes Beisammensein, Björn und Karo sind dann auch satt, der Kölsch-Klingelbeutel wandert durch die Runde, am Ende waren es 132 Kölsch plus die Apfelschorle von Karo, kleine Nachträge werden passend ausgeglichen – feinste Finanzakrobatik im Bierhaus.

Aufbruch ins Stadion. Auf dem Weg zur Straßenbahn verlieren wir den Anschluss. Niemand weit und breit. Die Linie 1 ist überfüllt, wir drücken uns durch wie Sardinen auf Diät. Nordtribüne – erreicht. Zwei Becher „echtes Bier“, dann auf die Plätze.

Proteste gegen Verschärfung der Fan Überwachung sind angekündigt. Stadionsprecher: „Wir erwarten heute den Einsatz von Pyrotechnik. Pyrotechnik ist aber verboten.“ Na klar. Das Spiel beginnt – natürlich mit dem ersten Tor für Köln. Die ersten zwölf Minuten herrscht Stille. Dann: Kölner Kurve explodiert in rotem Licht. Zweite Halbzeit, Eintracht-Fans ziehen nach – Raketen inklusive. Letzteres sollte nicht sein – Nichts darf die Hand verlassen.

Kurz vor der Halbzeit: Ausgleich, Führung! In der zweiten Halbzeit bauen wir den Vorsprung auf 4:1 aus. Dann, divamäßig wie eh und je, laden wir die Kölner ein, Tore zu schießen. Spannung, Zittern, Herzrhythmus-Chaos. Endstand: 4:3 gewonnen – fast ohne Erfrierungen. Es gibt auch ausführliche Spielberichte.

Rückweg, die Straßenbahn? Nein danke, nicht wieder in die Sardinendose. Vier Kilometer Fußmarsch zum Auto. Zwei Stunden Heimfahrt. Tim wieder abgesetzt. Couch. Sportstudio. Beweis: Wir haben wirklich gewonnen. In Köln. Kein Traum.

Und dann: Schlaf. Tief, fest, wie nach einem Marathon durch Minusgrade, im Traum treffen sich Döner, Kölsch, Bier, Max und Axel beleuchet von Pyrotechnik.

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