Der Abstieg
... 17. Januar 2022 ...Am nächsten Morgen kommt das Gehen zum Stillstand. Wir verabschieden uns von unserem Team, von jenen, die diesen Weg mit einer beständigen, beinahe unerschütterlichen guten Laune begleitet haben.
Ich habe die Ehre die Abschieds- und Dankesrede halten. Die Worte kommen einfacher, als gedacht. Am Ende bleibt die Botschaft stehen:
„Whatever will happen, teach your children well.“
Mehr braucht es nicht.
Dann werden die Trinkgelder verteilt. Auch hier folgt alles klaren Regeln, abgestuft nach Aufgaben, nach Verantwortung.
Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Es ist ein letzter Akt der Ordnung, bevor sich die Wege trennen.
Auf dem Rückweg werfen wir noch einmal einen Blick zurück. Der Berg liegt tief verschneit da, fern und ruhig.
Bald darauf gehen wir wieder durch die Klimazonen, die wir mühsam erobert hatten: von der Mondlandschaft über die Steppe zurück in den Urwald.
Und mit diesem Rückweg schiebt sich ein anderer Gedanke in den Vordergrund.
Der Klimawandel. Die bekannten Überreste, der Furtwängler-Gletscher zum Beispiel, haben seit Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als fünfundachtzig Prozent ihrer Fläche verloren.
Experten sagen, dass sie in den kommenden Jahrzehnten vollständig verschwinden könnten. Vielleicht schon früher. Der höchste Berg Afrikas, so die Prognosen, könnte in zwanzig Jahren weitgehend schnee- und gletscherfrei sein.
Der Gedanke trifft unerwartet hart. Meine Enkel werden diese Bilder nicht mehr sehen können.
Ein schwerer Gedanke, der sich nicht abschütteln lässt.
Am Abend sitzen wir in der Lodge. Zum ersten Mal seit Tagen können wir die Füße ausstrecken. Jeder ist wieder für sich. Raum für Müdigkeit, für Nachhall, für Gedanken, die keinen Gesprächspartner brauchen.
Es wird ein unvergesslicher Trip bleiben. Nicht nur wegen des Gipfels. Sondern wegen dessen, was bleibt, wenn man längst wieder unten ist.