Shira Camp - Lava Tower - Barranco Camp
... 14. Januar 2022 ...Die dritte Etappe spannt einen Bogen, der nicht nur nach oben führt. Vom Shira Camp auf 3.840 Metern hinauf zum Lava Tower, 4.630 Meter, und von dort wieder hinab zum Barranco Camp auf 3.950 Metern. Ein Tag der Bewegung in beide Richtungen, ein Tag, der erklärt, was Höhe bedeutet.
Wie immer beginnt der Morgen unspektakulär. Hygiene mit Schüsseln, Frühstück, dann der Aufbruch mit dem ersten Licht.
Die Sonne ist noch zurückhaltend, und während wir gehen, zieht sich die Vegetation endgültig zurück.
Das Grün verschwindet, der Weg wird steinig, karg, eine Steppe aus Geröll und Staub.
Vor uns der Lava Tower. Ein einzelnes Monument, alt, etwa 150.000 Jahre, fast neunzig Meter hoch.
Er steht da, ohne Bezug, ohne Einladung.
Mit der Höhe meldet sich der Körper. Nicht dramatisch, eher insistierend.
Der Atem wird kürzer, die Gedanken langsamer.
Und während wir uns vorarbeiten, bleibt ein anderes Rätsel bestehen: wie unsere Jungs es schaffen, nach uns alles abzubauen, uns zu überholen und mittags bereits das Essen fertig zu haben.
Man stellt die Frage, findet keine Antwort und lässt sie stehen. Vielleicht sind sie es, die diesen Weg wirklich kennen, aber bestimmt sind sie die wahren Helden.
Gut ist es, wieder abzusteigen. Das Gehen hinunter zum Barranco Camp bringt Erleichterung, auch im Kopf.
Der Pfad führt durch die Wälder der riesigen Kilimandscharo-Greiskräuter, Dendrosenecio kilimanjari. Pflanzen wie aus einer anderen Zeit, in dieser afro-alpinen Landschaft verwurzelt.
Sie speichern Wasser in ihren Stämmen, wachsen langsam, drei bis fünf Zentimeter im Jahr, werden alt, sehr alt. Ihre abgestorbenen Blätter nutzen sie als Schutz gegen die Kälte.
Kalt wird es nun auch uns. Ohne Sonne im Barranco Camp zieht die Temperatur spürbar an. Wieder macht sich die Höhe bemerkbar, diesmal nicht im Atem, sondern auf der Haut.
Am Abend bereitet Hubert uns darauf vor, was kommt. Morgen geht es früh los, gegen sechs Uhr, damit wir rechtzeitig durch die „Breakfast Wall“ kommen.
Der Tag endet mit dieser Aussicht. Und mit dem Wissen, dass der Berg nun näher rückt.